• Rebekka Lonczyk

Mal drüber nachgedacht

Die eigene Meinung und die Anonymität


Als ich mich gestern an meinen Schreibtisch gesetzt habe, musste ich zuerst etwas überlegen, welches Thema diese Woche in meiner Kolumne behandelt werden soll. Zugegeben es ist erst die zweite in diesem Jahr und derzeit passiert in der Umgebung nicht viel neues. Über das aktuelle Thema, was uns bereits seit vielen Monaten begleitet, möchte ich nicht schreiben. Davon hören wir meiner Meinung nach genug in den Nachrichten. Dann ist mir letztens etwas aufgefallen.


Bereits im November 2021 hat eine bekannte Video-Plattform dafür gesorgt, dass eine „gefällt nicht“ Angabe nicht mehr durchgeführt werden kann. Dies soll dafür sorgen, dass weniger Online-Mobbing stattfindet. Denn gerade Personen, die mit Video-Content ihr Geld verdienen, sollen sich von diesen Angaben nicht mehr entmutigen lassen. Das ist nachvollziehbar, doch seien wir ehrlich, die Kommentarfunktion kann von solchen Personen immer noch genutzt werden, um ihre schlechte Laune verbreiten zu können.


Allerdings hat mich dieses Thema auf etwas gebracht, was eventuell einige ebenfalls aus der Vergangenheit kennen. Jeder hat es beigebracht bekommen höfflich zu sein. Dazu gehörte es ebenso nicht immer seine eigene Meinung zu sagen. Dabei ist es egal gewesen, ob es sich um das Essen gehandelt hat oder um ein Geschenke. Man hat beigebracht bekommen sich immer zu bedanken oder zu sagen „es hat geschmeckt“. Diese kleinen „lügen“ sollten dafür sorgen, dass man die Gefühle seines gegenüber nicht verletzt. Was man wirklich dachte, hat in diesem Moment keinen interessiert.


Heute im Zeitalter der digitalen Medien, ist das anders. Personen können anonym handeln und ihre freie Meinung äußern. Hätte es solche „gefällt nicht“ Angaben bereits im wahren Leben gegeben, wer hätte diesen wirklich gezeigt, wenn das Essen nicht geschmeckt hat oder das Geschenk nicht gefallen hat? Sicherlich niemand, da man nicht die Gefühle verletzten möchte. Doch hätte man dies angeben können ohne sein Gesicht zu zeigen, wäre es dann anders verlaufen?


Haben uns die sozialen Medien so weit gebracht, dass wir unsere eigene Meinung nur noch dann sagen, wenn wir unerkannt bleiben? Sicherlich gibt es auch den ein oder anderen, der seine Meinung offen bekundet. Doch diese Personengruppen bilden meiner Meinung nach eine Ausnahme. Sogar ich selbst ertappe mich dabei, etwas zu sagen, damit sich jemand anderes gut fühlt. Oder reagieren wir nur so, um kein Streitgespräch anzufangen? Liegt es in der Natur des Menschen oder ist es durch die Erziehung in einem verankert?


Kann es auch sein, dass wir unterbewusst doch rücksichtsvolle Geschöpfe sind? Wobei dies in einigen Fällen nur dann vorkommt, wenn es sich um die eigene Meinung handelt. Rücksichtvolles Verhalten, wie das Wort „Entschuldigung“ ist in manchen Generationen bereits ausgestorben. Doch da besonders die Jugendlichen und Kinder heute anders aufwachsen, sind diese mit der Anonymität besser vertraut. Es fällt ihnen leichter etwas gut oder schlecht zu finden, wenn die Meinung nicht direkt auf sie selbst zurückzuführen ist. Aber kann man wirklich alles auf die sozialen Medien schieben? Sicherlich hat sich vieles geändert. Ohne Internet kommen die meisten nicht mehr aus. Jeder einzelne ist auf eine bestimmte Art und Weise auf das Internet und auch die sozialen Medien angewiesen. Sei es, um seinen Beruf ausüben zu können oder um in Kontakt mit anderen zu treten. Doch macht es wirklich einen Unterschied, einen Button abzuschaffen, um das Verhalten von manchen Menschen zu ändern? Dabei geht es natürlich nicht nur darum, dass Personen etwas nicht gut finden. Es geht dabei ja auch darum, warum sich manche „schlecht“ fühlen, wenn einige Personen etwas von einem selbst nicht gut finden. Klar möchte man für seine Arbeit gelobt werden und die Aufmerksamkeit von möglichst vielen erhalten. Aber ist es wirklich wichtig, was andere von einem halten? Geht es nicht vielmehr darum, dass man sich in seinem Leben erfüllt fühlt und das macht, was einem Freude bereitet?


Ich finde, dass es einige Personengruppen gibt, die sich zu sehr darauf ausruhen, dass man gerade im Internet anonym sein kann. Auf der anderen Seite sind wir alle sehr empfindlich geworden, was die Meinung von anderen angeht.


Wie seht ihr dieses Thema? Schreibt mir eure Meinung gerne in die Kommentare.





 

Über mich:

Ich bin Rebekka, Texterin und Bloggerin aus Hessen. Neben meiner Selbstständigkeit freue ich mich immer darauf in meinem Blog Erfahrungen und interessante Themen aufzuschreiben und mit euch zu teilen.

 



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