• Rebekka Lonczyk

Gendern – was es bedeutet und ob es sinnvoll ist

Aktualisiert: Aug 25

Während meiner Arbeit als Texterin und Contentwriter musste ich mich ebenfalls mit dem Thema „Gendern“ auseinandersetzen. Daher habe ich mich etwas mit diesem Thema befasst und mir ebenfalls eine Meinung dazu gebildet. In den nächsten Absätzen möchte ich näher auf dieses Thema eingehen und dir auch zeigen, wie ich dieses Thema in meinem Blog sowie als Texterin handhabe. Allerdings bleibt es auch nicht aus, bei bestimmten Textarten darauf zu achten, die richtige Ansprache zu wählen. Doch mir ist dabei aufgefallen, dass das Gendern in einigen Fällen auch zu einigen Problemen führen kann.


Was ist Gendern?


Gehen wir zuerst darauf ein, was Gendern überhaupt bedeutet. Im Grunde kann man sagen, dass Gendern eine Art ist, alle Geschlechter, also männlich, weiblich und andere anzusprechen. Nehmen wir als klassisches Beispiel das Wort „Kunde“. Um alle Geschlechter anzusprechen, müsstest du in deinem Artikel „Kund_innen“ oder „Kund*innen“ schreiben. Auch „Kund:innen“ ist eine Art und Weise zu gendern. Es gibt viele verschiedene Schreibweisen, um alle Geschlechter anzusprechen. Für welche du dich entscheidest, bleibt dabei dir selbst überlassen.


Warum ist das Gendern derzeit im Gespräch?


Derzeit ist das Thema „Gendern“ häufig im Gespräch und es gibt viele verschiedene Meinungen dazu. Einige Gruppen fühlen sich bei bestimmten Artikeln, Texten oder ähnlichem ausgeschlossen, da nicht speziell auf alle Geschlechter hingewiesen wird. Da die meisten Ausdrücke auf das männliche Geschlecht bezogen sind, kann es dazu führen, dass sich das weibliche Geschlecht ausgeschlossen, diskriminiert oder nicht angesprochen fühlen könnte. Aus diesem Grund handelt es sich hierbei um ein spezielles Thema, worauf in der letzten Zeit viel Wert gelegt wird. Besonders wenn es darum geht geschlechtergerechte Artikel, Texte und ähnliches zu veröffentlichen.


Welche Problematik entsteht durch das Gendern?


Deutsch ist bekanntlich eine der schwersten Sprachen zum Erlernen. Besonders was die Grammatik angeht, kommen auch Muttersprachler häufig an ihre Grenzen. Durch das Gendern kann dies noch schwerer werden. Insbesondere, da bestimmte Wörter in einem Satz häufig nur auf das weibliche oder auf das männliche Geschlecht passen. Nehmen wir hierzu noch einmal das Beispiel den Kunden, oder die Kundin. Wie du bereits an meinem Satz erkennen kannst, würden die einzelnen Sätze sehr lang oder sehr unübersichtlich werden.


Ein normaler Geschäftsbrief, der an Kunden und Kundinnen geschrieben werden soll, kann hier bereits zu einer Herausforderung werden. Entweder müsste jedes Unternehmen den Brief anhand des Namens verfassen und dadurch auf einen männlichen Kunden oder eine weibliche Kundin achten oder diesen neutral halten bzw. gendern.


Auch was andere Artikel angeht, bringt das Gendern einige Herausforderungen mit sich. Wo es früher hieß:


„Wenn du den Kunden erreichen möchtest, dann solltest du das Interesse wecken“.


Kann dieser Satz heute so lauten, wenn du diesen nun gendern möchtest:


„Wenn du den Kunden, die Kundin erreichen möchtest, dann solltest du das Interesse wecken“.


Dieses Beispiel könnte ich noch weiter führen und den Satz noch viel weiter verlängern, um wirklich vollständig zu gendern. Dann würde der Satz wie folgt lauten:


„Wenn du den Kunden, die Kundin erreichen möchtest, dann solltest du sein, ihr Interesse wecken.“


Doch nicht nur das geschriebene Wort ist davon betroffen. Wenn sich das Gendern vollständig durchsetzt, dann bedeutet dies auch für die Sprache einige Änderungen. Für das gesprochene Wort nehmen wir Radiomoderatoren und natürlich auch die Radiomoderatorinnen. Diese müssten bei jedem Satz darauf achten sowohl die männlichen Zuhörer als auch die weiblichen Zuhörerinnen anzusprechen.


Wie du wahrscheinlich jetzt schon erkennen kannst, handelt es sich dabei um ein sehr komplexes Thema, welches mit einigen Schwierigkeiten verbunden ist.


Können sich alle Wörter gendern lassen?


Neben der grammatikalischen Schwierigkeit, die das Gendern mit sich bringen kann, gibt es auch einige Wörter, die sich nicht gendern lassen. Daher muss du bei diesen Wörtern darauf verzichten oder es müssen neue Wörter eingeführt werden. Auch wenn man eine weibliche Form verwenden könnte, würde dieses komische Blicke mit sich bringen.


So gibt es einige Wörter, die zwar von der Grammatik männlich sind, aber dennoch für Männer als auch für Frauen gelten. Und dies ist bereits seit Jahren der Fall. Niemand hat sich in dieser Zeit nicht angesprochen gefühlt.


Wenn in einer Stellenanzeige steht, dass ein Unternehmen eine Aushilfe sucht, haben sich sicherlich nicht nur weibliche Personen auf diese Stelle beworben. Ebenso wenn sich Gastronomen auf den Gast freuen, haben dort nicht nur männliche Personen ihr Essen genossen.


Hinzukommt, dass es einige Wörter gibt, die sich nicht gendern lassen oder bei denen es von der Schreibweise her sehr kompliziert werden könnte. Doch sieh dir selbst an, was ich meine:


Der Bürgersteig – der Bürgerinnensteig

Die Arztbescheinigung – die Ärztinnenbescheinigung

Das Einwohnermeldeamt – Das Einwohnerinnenmeldeamt

Die Bürgermeisterin/Der Bürgermeister – Die Bürgerinnenmeisterin/Der Bürgerinnenmeister


Wie du hier sicherlich schon erkennen kannst, macht es bei einigen Wörtern wenig Sinn, diese zu gendern. Besonders wenn es darum geht alle Geschlechter zusammen anzusprechen. So würde dann aus der Bürgermeisterin die Bürger_innenmeister_in werden. Ebenso könnte es die Bezeichnungen, mit denen jeder heutzutage etwas anfangen kann, komplizierter machen.


Wenn du ein neues Gerät bestellst oder kaufst und dieses zu Hause aufstellen möchtest kannst du in der Regel immer ein Benutzerhandbuch finden. Dieses müsste in der Theorie abgeändert werden in Benutzer_innenhandbuch oder Handbuch für Benutzer_innen. Dies gilt auch wenn man von einem Arztbesuch spricht. Hier müsstest du theoretisch anderen nicht von deinem Arztbesuch berichten, sondern von deinem Besuch der ärztlichen Sprechstunde. Wobei dies wiederum zu Verwirrung führen könnte, denn hast du jetzt einen Arzt oder deine Ärztin besucht oder warst du nur in der Sprechstunde.


Sind nur Nomen vom Gendern betroffen?


Hinzukommt, dass nicht nur Nomen gegendert werden müssten. Somit sind auch einige Verben davon betroffen. Solltest du eine Verletzung verarzten, dann kommt es darauf an, ob du männlich oder weiblich bist. Das bedeutet in der Theorie bei einer männlichen Person spricht man vom Verarzten und bei einer weiblichen vom Verärztinnen? Doch sind wir mal ehrlich: Wer würde sich in einer solchen Situation dafür interessieren, wie die richtige Genderform ist!


Wie sieht es bei Adjektiven aus?


Wenn wir uns schon Nomen und Verben angesehen haben, dann können wir uns auch auf die Adjektive konzentrieren. Doch auch hier gibt es einige Dinge, die beim Gendern anders formuliert werden müssten. Denn auch bei den Adjektiven gibt es viele Wörter, die sich hauptsächlich auf das männliche Geschlecht beziehen. Beispielsweise das Wort „fachmännisch“. Da sich dieses Wort nicht gendern lässt bzw. es sich sehr seltsam anhört, wenn du auf einmal von „fachweiblich“ sprichst, müsstest du ein komplett anderes Wort dafür verwenden. So wäre es sinnvoll, wenn du das Wort „fachkundig“ nutzt. Doch auch dies wird nicht sehr häufig verwendet.


Auch bei Ausbildungsberufen könnte sich das Gendern als schwierig gestalten. So habe ich beispielsweise eine kaufmännische Ausbildung. Da ich allerdings kein Mann bin, müsste ich von einer kaufweiblichen Ausbildung sprechen, was in meinen Augen wenig Sinn ergibt. Ok vielleicht gewöhnt man sich auch an bestimmte Wörter, wenn diese häufig verwendet werden. Doch auch wenn jemand von einer kauftechnischen Ausbildung spricht, würden sicherlich die wenigsten auf eine kaufmännische Ausbildung schließen.


Meine Meinung zum Gendern


Auf meinem Blog habe ich mich dazu entschlossen die Leseransprache „du“ zu verwenden. Ich finde dies persönlicher und dadurch kommt es auch sehr selten dazu, dass ich in meinen Artikeln gendern muss. Zumindest ist dies bisher noch nicht vorgekommen. Dies gilt auch bei den Artikeln, die ich während meiner Zeit als freiberufliche Texterin geschrieben habe. Die meisten meiner Kunden und Kundinnen haben eine Leseransprache gewählt, die es mir bei diesem Thema leicht gemacht hat.


Persönlich muss ich sagen, dass dieses Thema zu vielen Konflikten führen kann. Die Meinungen sind hierzu sehr unterschiedlich. Natürlich finde ich es gut, wenn Frauen sowie Männer angesprochen werden. Doch es muss nicht übertrieben werden. Wenn in einem Brief: „Sehr geehrter Brüger,“ steht, dann fühle ich mich ebenso angesprochen, wie wenn direkt „Sehr geehrte Bürgerin,“ steht. Auch werde ich weiterhin eine kaufmännische Ausbildung haben und derzeit als Texterin selbstständig sein.


Meiner Meinung nach kommt es immer auf die Situation an, wann man die weibliche Form, die männliche Form oder eine geschlechtergerechte Form verwendet. Besonders bei Wörtern, bei denen es unsinnig ist zu gendern, kann man es meiner Meinung nach so belassen wie es ist.


Ebenso gibt es keine einheitliche Schreibweise für das Gendern. Somit kann derzeit jeder selbst entscheiden, ob er mit einem Doppelpunkt, einem Stern, einem Bindestrich oder einem Unterstrich gendert. Das bedeutet, je nachdem für welche Schreibweise man sich entscheidet, können die Texte chaotisch werden. Auch Lehrkräfte und Schüler können es schwer haben, sich an das Gendern zu gewöhnen. Besonders wenn sie dabei eine zusätzliche Schreibweise beachten müssen. Und wollen wir erst gar nicht mit den Kindern anfangen, die das Lesen erst erlernen.


Es kommt daher immer darauf an, um welche Art von Text es sich handelt. Und natürlich gibt es Situationen, in denen es sinnvoll ist alle Arten von Geschlechtern anzusprechen, doch in manchen Fällen sorgt dies für Unklarheit und Verwirrung.


Ich bin gespannt, wie sich dieses Thema weiter entwickelt. Ob du auf deiner Webseite oder in deinen Geschäftsbriefen gendern möchtest, bleibt natürlich dir selbst überlassen. Natürlich möchtest du alle Personen ansprechen und dies soll auch in deinen Artikeln zu erkennen sein. Allerdings solltest du selbst schauen, wie sich die Texte durch das Gendern lesen und wie dir persönlich die Artikel gefallen, die du veröffentlichen möchtest.


Wie siehst du das Thema: Findest du es richtig zu gendern oder bist du mit der herkömmlichen Schreibweise zufrieden?


Schreib es mir gerne in die Kommentare, ich freue mich auf deine Meinung.



Über mich:

Ich bin Rebekka, Texterin und Bloggerin aus Hessen. Neben meiner Selbstständigkeit freue ich mich immer darauf in meinem Blog Erfahrungen und interessante Themen aufzuschreiben und mit euch zu teilen.


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