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  • Rebekka Lonczyk

Ein Weihnachtsfest fast ohne Stress

Aktualisiert: 24. Dez. 2022

Weihnachten ist die Zeit, in der man sich besinnt, besonders an seine Mitmenschen denkt und die Zeit mit seinen Liebsten verbringt. Mit diesem Wissen ist Madelin aufgewachsen. Doch je älter sie wurde, desto weniger konnte sie sich auf diese Dinge konzentrieren. Die Weihnachtszeit aus der Kindheit hat nichts mehr mit der Zeit zu tun, die Madelin jetzt als Erwachsene erlebt. Vielmehr hat sie das Gefühl, es ist stressiger als alles andere in ihrem Leben. Doch sie versucht immer diese Zeit genießen zu können.


Diese Weihnachten soll für Madelin allerdings anders verlaufen als geplant. Doch unsere Geschichte beginnt bereits zwei Wochen vor Heiligabend. Es ist Anfang Dezember und Schals, Mützen, Handschuhe sowie die dicke Jacke schmücken bereits den Kleiderschrank. Madelin hält nichts von dieser Kleidung. Zwar ist sie praktisch und hält warm, aber der Sommer ist ihre liebste Jahreszeit. Der Himmel ist grau und die frohe Farbenpracht auf den Wiesen fehlen Madelin sehr.


Bereits am Vorabend sind die ersten Schneeflocken vom Himmel gefallen und Madelin merkt, dass sie mit ihren Vorbereitungen zu Weihnachten spät dran ist. Die Geschenke müssen besorgt werden und auch die Dekoration steht noch nicht. Auch wenn Madelin die Weihnachtszeit immer bei ihrer Familie verbringt, nimmt sie sich immer vor, wenigstens etwas Weihnachtsdekoration in ihre Wohnung zu stellen. Zu ihrer Familie ist es ein Fahrtweg von ungefähr zwei Stunden. Daher macht sich Madelin meistens am Morgen des Heiligabends mit dem Auto auf den Weg.


Für sie ist das praktisch, sie muss sich nicht um das Essen kümmern und kann meistens für die Nachfeiertage übriges Essen mit nach Hause nehmen. Somit muss sie sich nur um die Geschenke kümmern, die sie bei ihrer Familie unter den Weihnachtsbaum stellen kann. Aus diesem Grund lässt sie sich auch immer etwas Zeit, die Besorgungen zu erledigen. So kann es auch vorkommen, dass sie Geschenke erst zwei Tage vor Heiligabend kauft. Bis Heiligabend sind es noch 14 Tage. Hier und da hat Madelin beim Wocheneinkauf einige Dekorationsartikel gekauft.


Diese stehen noch wild in Ihrer Wohnung herum und warten nur darauf, ausgepackt zu werden. Also macht sich Madelin daran, die Dekoration aufzubauen. Lichterketten hängt sie an die Fenster und auch für einen kleinen ein Meter hohen Weihnachtsbaum hat sie Platz geschaffen. Hier hängt sie bunte Weihnachtskugel dran und natürlich darf der Stern auf Baumspitze nicht fehlen. Eigentlich ist Madelin mit ihrer Dekoration zufrieden. Am Ende sieht nur sie allein, wie es aussieht und eventuell Spaziergänger, die an ihrer Wohnung vorbeilaufen.


Da sich Madelin über die Feiertage freigenommen hat, geht die Zeit sehr schnell herum. Mittlerweile fällt der Schnee regelmäßiger vom Himmel und es bildet sich bereits eine dünne weiße Decke auf den Feldern. Auch die Temperaturen bleiben seit einigen Tagen im Minusbereich. Es sind nun nur noch drei Tage bis Heiligabend, als Madelins Handy klingelt. Es ist ihre Schwester am anderen Ende der Leitung. „Hallo Madelin. Ich weiß, es ist etwas kurzfristig, aber wir haben für Heiligabend spontan etwas umgeplant.“


Madelin ahnt noch nicht, was diese Entscheidung für sie selbst bedeutet. Daher antwortet sie noch relativ gelassen: „Ja, kein Problem. Ich bin flexibel. Sag mir nur, wo ich hinkommen soll.“ „Wir werden Weihnachten zu dir kommen!“ Nach diesem Satz herrschte erst einmal eine lange Zeit stille. Madelin wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Absagen kann sie nicht, es ist Weihnachten und an der Tonlage ihrer Schwerster hat sie gemerkt, dass sie sich sehr darauf freut.


Aber innerhalb von drei Tagen eine Weihnachtsparty zu organisieren und auf die Beine zu stellen, in Ihrer Wohnung. Das ist etwas, was Madelin gedanklich überfordert. Allerdings möchte sie sich auch nichts anmerken lassen. Also antwortet sie: „Ja super, ich freue mich. Das ist eine tolle Idee.“ Madelin und ihrer Schwester verabschieden sich. Doch bevor Madelin realisiert, was gerade passiert ist, geht sie in die Küche, holt sich ein Glas Rotwein und setzt sich damit auf die Couch. Gedankenversunken trinkt sie das Glas aus.


Sie ist wie in Trance. Nach 15 Minuten realisiert sie, was genau sie jetzt innerhalb von wenigen Tagen erledigen muss. Immerhin muss sie Essen und Trinken für zehn Personen auf die Beine stellen. Madelin geht wieder in die Küche, holt sich noch ein Glas Wein, Zettel und einen Stift. Gleichzeitig nimmt sie ihr Smartphone in die Hand und fängt an zu recherchieren, was man für ein Weihnachtsessen benötigt. Dabei schreibt sie sich alles auf, was sie findet:

  • Gemüse

  • Fleisch

  • Kartoffeln

  • Knödel

  • Nachtisch

  • Wein

  • Sekt

  • Wasser

  • Softgetränke

Anschließend sucht sie nach klassischen Weihnachtsgerichten. Dabei findet sie sehr oft Gans mit Rotkraut und Knödel. Oder soll sie doch lieber etwas Vegetarisches zubereiten? Madelin ist nicht nur unentschlossen, sondern auch unsicher. Zu ihren Mahlzeiten gehören meistens Fertiggerichte, die sie in einer Pfanne oder in der Mikrowelle zubereiten muss. Richtig kochen! Das wird eine große Herausforderung. Und eigentlich wäre auch ein Kuchen eine gute Idee. Besonders, wenn das Hauptgericht überhaupt nicht gelingt.


Am nächsten Morgen macht sie sich auf den Weg in den Supermarkt. Natürlich war fast alles bereits ausverkauft. Also holt sie einfach nur die Dinge, die sie sich auf die Liste geschrieben hat und Zutaten für einen Kuchen. Für die Kinder sollte auch etwas Schokolade dabei sein. Zu Hause angekommen, schaut sie zuerst, wie sie alles in ihrer Wohnung hinstellt, um zehn Personen unter zubekommen. Nachdem sie etwas Dekoration aus dem Weg geräumt und hier und da einige Tische umgestellt hat, ist für ausreichend Platz gesorgt.


Doch dann fällt ihr auf, dass sie zwar an Lebensmittel und Getränke gedacht hat, aber die Geschenke noch nicht besorgt sind. Also macht sie sich wieder auf den Weg. Allerdings geht ihre Reise dieses Mal nicht in den Supermarkt, sondern in ein Einkaufszentrum. Hier hat sie bereits die letzten Jahre alles gefunden und warum soll das dieses Jahr anders sein.


Als Erstes geht sie in eine Drogerie. Dort holt sie Kosmetikartikel und Parfum für ihre Mutter.

Ihr Vater bekommt etwas aus einem Elektronikmarkt und für ihren Bruder sowie für Ihre Schwester gibt es jeweils ein Restaurant-Gutschein. Diesen können sie jeweils mit ihren Partnern einlösen und sich einen schönen Abend oder Nachmittag machen. Für die Nichten und Neffen wird Madelin in einem Spielzeugladen fündig. Für die Mädels gibt es Klischeehaft Spielzeug mit Ponys und Pferden und für die Jungs einige Autos und eine passende Fahrbahn. Jetzt heißt es nur noch Geschenkpapier holen und dann geht es wieder nach Hause.


Dort angekommen, packt sie die Geschenke sorgfältig ein und schreibt auf jedes den passenden Namen. Die Geschenke legt sie traditionell unter den Weihnachtsbaum. Madelin weiß, dass sie an Heiligabend selbst kaum Zeit für Dekoration hat, sondern überwiegend mit dem Essen beschäftigt ist, bereitet sie jetzt alles vor. Auf den Tisch kommt eine weiße Tischdecke. Auf die Mitte stellt sie einige Kerzen und natürlich dürfen weihnachtliche Servierten nicht fehlen. Hecktisch macht sie ihren Küchenschrank auf und atmet entspannt wieder aus.


Zum Glück hat sie sich vor kurzem neues Geschirr gekauft, sodass sie auch für zehn Personen eindecken kann. Bevor Madelin ins Bett geht, schaut sie sich noch einmal an, was sie gezaubert hat, und ist zufrieden. Dafür das sie sich eigentlich nichts aus diesen Dingen macht, findet sie es mehr als gelungen. Nun ist der besagte Heiligabend gekommen. Madelin ist früh aufgestanden, um das Essen vorzubereiten. Sie kocht das Gemüse, brät Fleisch an und bereitet eine Sauce zu. Gleichzeitig packt sie alle Zutaten für einen Kuchen in eine Schüssel und verrührt alles.


Den Teig gibt sie in die Backform und lässt diesen für 1 Stunde im Backofen backen. Währenddessen vergisst sie allerdings alles andere auf dem Herd. Und wie es nun mal so ist, kocht das Gemüse über, das Fleisch fängt an zu rauchen und die Sauce brennt richtig schön am Topf an. Madelin weiß nicht, ob sie lachen oder ob sie sauer werden soll. Das wäre alles nicht passiert, wenn ihre Familie nicht spontan entschieden hätte, sich bei ihr einzuladen. Dass sie sich überwiegend von Fertiggerichten ernährt, muss ja nicht jeder wissen.


Madelin atmet tief durch, schaltet souverän den Herd aus, packt das Essen in eine Schüssel und stellt diese in den Kühlschrank. Anschließend nimmt sie ihr Handy und ruft ihre Schwester an. „Hallo, ich bin es! Wisst ihr ungefähr, wann ihr da seid, damit ich das Essen pünktlich zubereiten kann?“ Ihre Schwester teilt ihr mit, dass es sie gerade erst losgefahren sind und es noch 1 ½ Stunden dauern wird. Madelin bedankt sich und freut sich darüber, dass sie noch etwas Zeit hat.


Nachdem sie aufgelegt hat, wählt sie die Nummer eines beliebten Restaurants in der Nähe. Gleichzeitig legt sie die passende Speisekarte vor sich und breitet diese auf. „Hallo, ich bin es Madelin. Ich würde gerne Essen bestellen, und zwar hätte ich gerne die Nummern 10-mal die Nummer 20, 6-mal die Nummer 3 und 10-mal die Nummer 2.“ Nachdem die Bestellung aufgegeben wurde, lehnt sich Madelin beruhigt auf dem Sofa zurück. Nach ungefähr einer Stunde klingelt es an ihrer Wohnungstür und die Essenslieferung ist da.


Madelin nimmt diese entgegen und bringt sie in die Küche. Bestellt hat sie als Hauptspeise klassische Spaghetti mit Tomatensauce, gemischten Salat und als Vorspeise eine Lachscremesuppe. Einen Nachtisch musste sie nicht bestellen, da der Kuchen nicht verbrannt ist und sie diesen servieren kann. Sie packt die Spaghetti mit Tomatensauce zusammen in eine große Servieceschüssel. Dasselbe macht sie mit dem Salat und die Suppe gibt sie in einen Topf. Nun muss sie nur noch einmal alles erwärmen und dann kann das Weihnachtsessen beginnen.


Kurze Zeit später klingelt es erneut an Madelins Wohnungstür und ihre Familie trifft ein. Alle freuen sich darauf, endlich Madelin zu Hause besuchen zu können. Madelin lässt sich nichts anmerken und freut sich, endlich etwas essen zu können. Nach einem kurzen Plausch setzen sich alle an den Tisch und genießen das gemütliche Weihnachtsessen. Auch wenn es kein klassisches Weihnachtsessen war, hatten alle Spaß und einen gefüllten Magen. Nach dem Essen ist es dann auch Zeit für die Geschenke, auf die sich besonders die Kinder den ganzen Abend freuen.


Daher setzen sich alle auf Madelins Couch und warten darauf, die Geschenke auszupacken. Natürlich müssen die Kinder nicht lange warten, sondern dürfen ihre Geschenke als Erstes auspacken. Sie freuen sich über das neue Spielzeug und verlieren keine Zeit, es aus den Verpackungen zu holen und mit dem Spielen zu beginnen. Anschließend packen auch die Erwachsenen die Geschenke aus. Nachdem das Geschenkpapier entsorgt wurde, beginnt der Abend etwas ruhiger zu verlaufen. Madelin hat die kleine stressige Situation mit dem Essen schon gut verdrängt und auch sonst hat keiner in ihrer Familie das Essen angesprochen.


Auch wenn sich Madelin sicher ist, dass jeder wusste, dass sie nicht selbst gekocht, sondern das Weihnachtsessen bestellt hat. Zumindest hat sie den Kuchen selbst gebacken. „Oh Mist!“ Madelin steht wie von einer Biene gestochen auf. „Ich habe den Kuchen vergessen. Wer möchte ein Stück Kuchen haben?“ Madelin fragt in die Runde und jeder nickt zustimmend. Daher macht sie sich direkt auf den Weg, holt Teller und natürlich den Kuchen. Die Zeit vergeht sehr schnell. An diesem Abend werden viele Spiele gespielt und Gespräche geführt. Die Kinder spielen mit ihrem neuen Spielzeug und die Erwachsenen freuen sich gemütlich zusammenzusitzen.


An diesem Abend merkt Madelin wieder einmal, dass es an Weihnachten nicht darum geht, Geschenke zu verteilen und Essen vorzubereiten. Vielmehr geht es darum, die Zeit mit seinen Liebsten zu verbringen und eine schöne Zeit zu haben. Ansonsten ist der Heiligabend oder die gesamte Weihnachtszeit nur mit Stress verbunden und die Zeit kann nicht genossen werden. Gedankenversunken lässt Madelin den Abend noch einmal Revue passieren. Es hätte keinen Unterschied gemacht, ob sie 5 Stunden in der Küche gestanden und Essen selbst vorbereitet hätte oder eben das Essen einfach bestellt zu haben.


Für ein spontanes Ausrichten des Weihnachtsfestes hat sie ihrer Meinung nach gute Arbeit geleistet. Sie versteht gar nicht, warum es sich viele so schwer machen und die Tage mit viel Stress verbunden sein müssen. Madelin findet, dass es an der Zeit ist, die Prioritäten zu ändern.


Nachdem sich ihre Familie verabschiedet hat, verschließt Madelin die Tür. Sie freut sich darauf, sich auf die Couch zu setzen und den Abend mit einem guten Glas Wein ausklingen zu lassen. Sie dreht sich um und entdeckt erst jetzt das Chaos in ihrer Wohnung.


So ganz ohne Stress und Arbeit funktioniert die Weihnachtszeit dann wohl doch nicht.

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